Hochschuldidaktik ist das Arbeitsfeld, das sich mit dem Lehren und Lernen an Hochschulen befasst – wissenschaftlich als Forschungsdisziplin und praktisch als Weiterbildungs-, Beratungs- und Entwicklungsangebot für Lehrende. Sie beantwortet die Frage, wie aus fachlicher Expertise gute Lehre wird: wie Lehrveranstaltungen geplant, Lernprozesse angeregt, Kompetenzen geprüft und Curricula weiterentwickelt werden.
Der Bedarf ergibt sich aus einer strukturellen Lücke. Wer an einer Hochschule lehrt, ist in der Regel über Forschung qualifiziert worden, nicht über eine pädagogische Ausbildung. Anders als im Schuldienst, wo Fortbildung vielfach verpflichtend geregelt ist, ist hochschuldidaktische Qualifizierung in Deutschland fast durchgängig freiwillig. Genau deshalb haben Länder, Hochschulen und die Fachgesellschaft ein dichtes Netz aus Zentren, Netzwerken und Zertifikatsprogrammen aufgebaut, das Lehrenden einen strukturierten Weg zur Professionalisierung anbietet.
Dieser Beitrag ordnet das Feld ein: Was Hochschuldidaktik leistet, welche Konzepte ihre Arbeit tragen, wie hochschuldidaktische Zentren und Landesnetzwerke organisiert sind, wie Zertifikatsprogramme aufgebaut sind und welche Wirkung eine solche Qualifizierung auf die wissenschaftliche Laufbahn haben kann – und wo ihre Grenzen liegen.
Was Hochschuldidaktik ist – und was sie nicht ist
Hochschuldidaktik hat zwei Gesichter. Als wissenschaftliche Disziplin erforscht sie Lehr-Lern-Prozesse im tertiären Bildungsbereich: Wie lernen Studierende, welche Lehrformate wirken unter welchen Bedingungen, wie lässt sich Studienerfolg beeinflussen? Als Praxisfeld organisiert sie Weiterbildung, kollegiale Beratung, Lehrcoaching, Evaluationsunterstützung und Curriculumentwicklung an den Hochschulen selbst.
Von der Schulpädagogik unterscheidet sie sich durch ihren Gegenstand: erwachsene, selbstverantwortliche Lernende, wissenschaftliche Fachkulturen mit eigenen Erkenntnislogiken, große Gruppen und Prüfungsordnungen mit Rechtscharakter. Von der Fachdidaktik unterscheidet sie sich dadurch, dass sie disziplinübergreifend arbeitet – auch wenn gute hochschuldidaktische Angebote fachspezifische Zuschnitte anbieten, weil eine Ingenieurvorlesung anderen Anforderungen unterliegt als ein juristisches Seminar.
Was Hochschuldidaktik nicht ist: eine Sammlung von Methodentricks. Der Kern der Arbeit besteht darin, Lehrentscheidungen begründbar zu machen – also Ziele, Aktivitäten und Prüfungen so aufeinander zu beziehen, dass sie zusammenpassen. Wer nur nach Methoden sucht, bekommt kurzfristig Abwechslung, aber keine belastbare Lehrqualität.
Drei Ebenen hochschuldidaktischer Arbeit
- Mikroebene – die einzelne Lehrveranstaltung: Planung, Aktivierung, Feedback, Prüfungsgestaltung, Umgang mit heterogenen Vorkenntnissen.
- Mesoebene – Studiengang und Curriculum: Abstimmung von Modulen, Kompetenzprofile, Prüfungslast über ein Semester hinweg, Studieneingangsphase.
- Makroebene – Hochschule und Hochschulsystem: Lehrstrategien, Anreizsysteme, Qualitätsmanagement, Personalentwicklung, Förderprogramme für Lehre.
Viele Enttäuschungen entstehen, weil ein Problem der Mesoebene auf der Mikroebene bearbeitet werden soll. Wenn Studierende überlastet sind, weil sich fünf Modulprüfungen in derselben Woche häufen, hilft keine noch so gute Einzelveranstaltung. Hochschuldidaktische Zentren arbeiten deshalb zunehmend auch beratend an Studiengangsstrukturen.
Warum Lehrkompetenz systematisch entwickelt werden muss
Bereits das Hochschulrahmengesetz nennt in § 44 die „pädagogische Eignung“ als eine der Einstellungsvoraussetzungen für Professorinnen und Professoren – ohne festzulegen, wie sie nachzuweisen ist. Die Landeshochschulgesetze greifen diese Anforderung auf und konkretisieren sie unterschiedlich; vielfach genügen Lehrerfahrung, Lehrevaluationen und eine Lehrprobe im Berufungsverfahren. Ein systematischer Qualifizierungsweg ist damit nicht zwingend vorgeschrieben, aber zunehmend erwartet.
Hinzu kommen Entwicklungen, die die Anforderungen an Lehre in den vergangenen Jahren spürbar erhöht haben:
- Heterogenität: Studierende kommen mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen, Bildungsbiografien, Sprachniveaus und Erwerbstätigkeiten in dieselbe Veranstaltung.
- Kompetenzorientierung: Seit der Studienstrukturreform beschreiben Modulhandbücher Lernergebnisse statt Stoffliste – das verändert Lehre und Prüfung gleichermaßen.
- Studienabbruch: Besonders in mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Fächern gilt die Studieneingangsphase als kritisch; Lehrgestaltung ist einer der beeinflussbaren Faktoren.
- Digitalisierung: Hybride Formate, Lernplattformen, digitale Prüfungen und generative KI haben etablierte Routinen infrage gestellt.
- Große Gruppen bei knappen Ressourcen: Betreuungsrelationen zwingen dazu, Aktivierung und Feedback skalierbar zu denken.
Wer in großen Veranstaltungen unterrichtet, findet praxisnahe Ansätze im Beitrag Große Lehrveranstaltungen aktivierend gestalten. Die Parallelen zur schulischen Professionalisierung – und ihre Unterschiede – zeigt der Überblick zur Lehrerfortbildung.
Zentrale Konzepte der Hochschuldidaktik
Constructive Alignment
Das von John Biggs geprägte Prinzip des Constructive Alignment ist das Grundgerüst nahezu jedes hochschuldidaktischen Programms. Es besagt, dass drei Elemente konsistent aufeinander abgestimmt sein müssen: die angestrebten Lernergebnisse, die Lehr-Lern-Aktivitäten und die Prüfung. Wer Analysefähigkeit als Ziel formuliert, im Seminar aber nur Wissen vorträgt und am Ende Faktenwissen abfragt, hat drei Elemente, die nicht zusammenpassen – mit vorhersehbaren Folgen für das Lernverhalten.
Der praktische Hebel liegt fast immer bei der Prüfung: Studierende richten ihren Aufwand an dem aus, was geprüft wird. Wie sich Prüfungen entsprechend gestalten lassen, behandelt der Beitrag Kompetenzorientiert prüfen.
Kompetenzorientierung und Lernergebnisse
Kompetenzorientierte Lehre beschreibt, was Studierende am Ende können sollen, nicht was behandelt wurde. Lernergebnisse werden deshalb aus Sicht der Studierenden und mit beobachtbaren Verben formuliert („Studierende können ein Verfahren begründet auswählen und seine Grenzen einschätzen“ statt „Einführung in Verfahren X“).
Der häufigste Fehler ist Inflation: Modulhandbücher, die eine lange Liste von Lernergebnissen für eine einzelne Veranstaltung aufführen. Realistisch sind wenige, klar priorisierte Ziele, die tatsächlich geprüft werden können.
Lernzieltaxonomien
Taxonomien helfen, das Anspruchsniveau von Zielen und Prüfungsaufgaben zu bestimmen. Am bekanntesten ist die Taxonomie kognitiver Lernziele nach Bloom und ihre überarbeitete Fassung von Anderson und Krathwohl, die kognitive Prozesse (erinnern, verstehen, anwenden, analysieren, bewerten, erschaffen) mit Wissensarten kombiniert. Daneben wird die SOLO-Taxonomie von Biggs und Collis genutzt, die die strukturelle Komplexität von Lernergebnissen beschreibt.
Der Nutzen liegt weniger in der korrekten Einordnung als im Abgleich: Steht in der Lernzielbeschreibung „analysieren“, in der Klausur aber ausschließlich Reproduktion, wird die Lücke sofort sichtbar.
Aktivierung und Studierendenzentrierung
Lernen entsteht durch geistige Aktivität der Lernenden, nicht durch die Aktivität der Lehrenden. Aus diesem einfachen Satz folgt der größte Teil hochschuldidaktischer Methodenarbeit: Denkpausen, Peer-Diskussion, Anwendungsaufgaben, Fehlerarbeit, Feedbackschleifen. Studierendenzentrierung heißt dabei nicht Beliebigkeit – die fachliche Struktur bleibt Aufgabe der Lehrenden.
Hochschuldidaktische Zentren, Netzwerke und Fachgesellschaft
Die dghd als Fachgesellschaft
Die Deutsche Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft des Feldes im deutschsprachigen Raum. Sie versteht Hochschuldidaktik als eigenständiges Wissenschaftsfeld, fördert Forschung und Entwicklung, bezieht Position zu Fragen von Studium und Lehre, richtet Tagungen aus und unterhält Kommissionen und Arbeitsgruppen.
Für die Praxis besonders relevant sind zwei Instrumente: die „Qualitätsstandards für die Anerkennung von Leistungen in der hochschuldidaktischen Weiterbildung“, die 2011 beschlossen und 2021 in einer aktualisierten Fassung verabschiedet wurden, sowie die Akkreditierungskommission, die hochschuldidaktische Programme und Einrichtungen befristet akkreditiert. Beides zielt darauf, dass erbrachte Leistungen bei einem Wechsel der Hochschule anerkannt werden können.
Landesweite Zentren und Netzwerke
Die Organisationsform unterscheidet sich stark nach Bundesland. Verbreitet sind drei Modelle: ein landesweites Zentrum, ein Verbund mehrerer Hochschulen oder rein hochschuleigene Einrichtungen. Beispiele für etablierte landesweite Strukturen:
- Baden-Württemberg: Das Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg (HDZ) wurde 2001 vom Wissenschaftsministerium gemeinsam mit den Landesuniversitäten gegründet; seit 2019 gehören auch die Pädagogischen Hochschulen dazu.
- Bayern: ProfiLehrePlus ist der Verbund der bayerischen Universitäten und trägt das gemeinsame „Zertifikat Hochschullehre der Bayerischen Universitäten“.
- Nordrhein-Westfalen: Das Netzwerk hdw nrw bündelt hochschuldidaktische Weiterbildung mit einem eigenen mehrstufigen Zertifikatssystem.
- Sachsen: Hochschuldidaktik Sachsen bietet ein gemeinsames Zertifikatsprogramm der sächsischen Hochschulen an.
- Niedersachsen: Das Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen (KHN) wurde im Juli 2000 mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums als landesweit arbeitendes Zentrum an der TU Braunschweig eingerichtet.
Daneben unterhalten viele Hochschulen eigene Zentren für Lehre und Lernen, die Workshops, Lehrberatung, Hospitationen und Mediendidaktik unter einem Dach bündeln. Für Lehrende ist die zuständige Einrichtung vor Ort in aller Regel der richtige Einstiegspunkt – auch dann, wenn das Zertifikat landesweit vergeben wird.
Formate: mehr als Workshops
Das Bild vom zweitägigen Methodenworkshop greift zu kurz. Hochschuldidaktische Einrichtungen arbeiten mit einem gestuften Portfolio, das von punktueller Unterstützung bis zu mehrjähriger Begleitung reicht:
- Workshops und Kurse: ein- bis dreitägige Formate zu Planung, Methodik, Prüfung, Beratung, digitalen Werkzeugen.
- Individuelle Lehrberatung und Coaching: vertrauliche Einzelberatung zu einer konkreten Veranstaltung oder zu Konflikten in der Lehre.
- Kollegiale Hospitation: gegenseitige Veranstaltungsbesuche mit strukturiertem Feedback, oft in festen Tandems.
- Lehrveranstaltungsevaluation und Zwischenfeedback: Unterstützung bei der Auswertung und beim Umgang mit unerfreulichen Ergebnissen.
- Begleitung von Lehrprojekten: Umbau einer Veranstaltung über ein bis zwei Semester, teils mit Anschubmitteln.
- Curriculumwerkstätten: moderierte Arbeit ganzer Studiengangsteams an Kompetenzprofilen und Prüfungsarchitektur.
Für den Lernerfolg entscheidend ist die Kombination: Ein Workshop verändert Wissen, aber erst Erprobung, Feedback und Reflexion verändern Lehrhandeln dauerhaft. Programme, die ausschließlich Präsenzstunden zählen, ohne Transferelemente zu verlangen, gelten fachlich als schwächer aufgestellt.
Zertifikatsprogramme: der strukturierte Weg
Hochschuldidaktische Zertifikate sind das Herzstück der Professionalisierung. Sie folgen in Deutschland einem weitgehend einheitlichen Bauprinzip: Der Umfang wird in Arbeitseinheiten (AE) zu je 45 Minuten gerechnet, und die Programme sind modular in eine Basis-, eine Erweiterungs- und eine Vertiefungsstufe gegliedert. Ein voll ausgebautes Zertifikat liegt üblicherweise bei rund 200 Arbeitseinheiten; einzelne Landesprogramme gehen darüber hinaus.
Inhaltlich decken die Programme typischerweise dieselben Handlungsfelder ab:
- Lehren und Lernen: Planung von Lehrveranstaltungen, Methodik, Aktivierung, Medieneinsatz
- Prüfen: Prüfungsformate, Aufgabenkonstruktion, Bewertungskriterien, Rechtsrahmen
- Beraten und Begleiten: Sprechstunde, Betreuung von Abschlussarbeiten, Feedback
- Evaluieren und Reflektieren: Lehrevaluation, kollegiale Hospitation, Lehrportfolio
- Innovieren: Lehrprojekte, Curriculumentwicklung, Erprobung neuer Formate
Charakteristisch ist, dass höhere Stufen nicht nur mehr Workshops verlangen, sondern andere Formate: eigene Lehrprojekte, kollegiale Hospitationen, Lehrberatung und eine schriftliche Reflexion oder ein Lehrportfolio. Welche Programme sich wie unterscheiden, welche Stufen es gibt und wie die Anerkennung zwischen Bundesländern funktioniert, vergleicht der Beitrag Hochschuldidaktische Zertifikate im Vergleich.
Lehrentwicklung und Scholarship of Teaching and Learning
Mit dem Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) verlässt hochschuldidaktische Arbeit die reine Weiterbildungslogik. Der auf Ernest Boyer zurückgehende Ansatz behandelt Lehre als eigenständiges wissenschaftliches Tätigkeitsfeld: Lehrende untersuchen ihre eigene Lehre systematisch, erheben Daten, beziehen sich auf Forschungsliteratur und machen ihre Ergebnisse öffentlich – in Publikationen, auf Tagungen oder in hochschulinternen Formaten.
Praktisch bedeutet das etwa: eine Lehrende führt Peer Instruction in einer Grundlagenvorlesung ein, dokumentiert Vorwissen, Zwischenergebnisse und Klausurleistungen über zwei Semester und wertet aus, ob und für welche Gruppen sich etwas verändert. Der Erkenntnisgewinn bleibt lokal, ist aber belastbarer als der Eindruck nach einem Semester.
Das zweite Instrument der Lehrentwicklung ist das Lehrportfolio. Es dokumentiert Lehrphilosophie, Lehrerfahrung, eingesetzte Formate, Evaluationsergebnisse und Weiterentwicklungsschritte. Viele Zertifikatsprogramme verlangen es auf der Vertiefungsstufe – und in Berufungsverfahren wird es zunehmend angefordert. Wer früh mit dem Sammeln beginnt, muss es später nicht rekonstruieren.
Karrierewirkung: Was hochschuldidaktische Qualifizierung bringt
Die realistische Einschätzung lautet: Ein Zertifikat ersetzt keine Publikationsliste, kann aber im Vergleich zweier fachlich ähnlich starker Bewerbungen den Ausschlag geben. Seine Wirkung entfaltet es dort, wo Lehre explizit bewertet wird.
- Berufungsverfahren: Nachweis pädagogischer Eignung, Grundlage für Lehrportfolio und Lehrkonzept, Vorbereitung auf die Lehrprobe.
- Fachhochschulen und HAWs: Dort hat Lehre traditionell höheres Gewicht; entsprechende Nachweise werden häufiger explizit erwartet.
- Lehrbezogene Stellen: Lecturer-Positionen, Studiengangskoordination, Qualitätsmanagement, Positionen in hochschuldidaktischen Zentren.
- Alltagsnutzen: Weniger Vorbereitungszeit durch klarere Planung, weniger Konflikte in Prüfungen durch transparente Kriterien, belastbarere Evaluationsergebnisse.
- Netzwerk: Kontakt zu Lehrenden anderer Fächer und Hochschulen – in einem stark disziplinär segmentierten System ein unterschätzter Nebeneffekt.
Die Grenzen sind ebenso klar zu benennen: In vielen Fachkulturen bleibt Forschungsleistung das dominierende Auswahlkriterium, die Teilnahme ist meist Freizeit- oder Nebentätigkeit, und ein Zertifikat allein verändert weder Betreuungsrelationen noch Anreizsysteme.
Digitalisierung, KI und die aktuelle Agenda
Generative KI hat innerhalb weniger Semester die Prüfungspraxis unter Druck gesetzt: Klassische Hausarbeiten und Essays lassen sich in Teilen automatisiert erzeugen. Die vorherrschende Linie in der hochschulpolitischen Debatte ist nicht das pauschale Verbot, sondern die Umstellung auf Prüfungsformate, die Kompetenz sichtbar machen – Prozessdokumentation, mündliche Anteile, Anwendung auf eigene Daten, Reflexion des KI-Einsatzes. Hochschuldidaktische Zentren gehören derzeit zu den wichtigsten Anlaufstellen für diese Umstellung.
Vertiefend dazu: Kompetenzorientiert prüfen sowie – mit Blick auf den schulischen Bereich, aber methodisch anschlussfähig – KI im Unterricht: Fortbildung und Einsatz.
Kosten, Zeit und Finanzierung
Für Angehörige der beteiligten Hochschulen sind hochschuldidaktische Angebote häufig kostenfrei oder stark vergünstigt, weil sie über Landesmittel und Hochschulbeiträge finanziert werden. Externe Teilnehmende zahlen in der Regel Entgelte, deren Höhe sich zwischen den Netzwerken deutlich unterscheidet. Der eigentliche Aufwand liegt jedoch weniger im Geld als in der Zeit: 200 Arbeitseinheiten entsprechen einem mehrjährigen, berufsbegleitenden Weg.
Wer die Qualifizierung privat finanziert oder als Lehrbeauftragte außerhalb eines Anstellungsverhältnisses absolviert, sollte die steuerliche Behandlung prüfen – siehe Weiterbildung von der Steuer absetzen – und die allgemeinen Finanzierungswege im Überblick Weiterbildung finanzieren vergleichen.
So gehen Sie vor
Ein pragmatischer Einstieg in die hochschuldidaktische Qualifizierung sieht in der Praxis so aus:
- Zuständige Stelle identifizieren: Klären Sie, ob Ihre Hochschule ein eigenes Zentrum hat oder über ein Landesnetzwerk angebunden ist – davon hängen Zugänge, Kosten und Zertifikat ab.
- Mit dem Basismodul beginnen: Der Basiskurs vermittelt Planung, Aktivierung und Prüfungsgrundlagen und ist überall der Startpunkt; eine Festlegung auf das Vollzertifikat ist dafür nicht nötig.
- Ein konkretes Lehrproblem mitbringen: Der Transfer gelingt deutlich besser, wenn Sie an einer real anstehenden Veranstaltung arbeiten.
- Nachweise von Anfang an sammeln: Teilnahmebestätigungen, Evaluationsergebnisse, Materialien, Reflexionsnotizen – die Grundlage für das spätere Lehrportfolio.
- Kollegiale Hospitation nutzen: Gegenseitige Besuche kosten wenig Zeit und liefern Hinweise, die keine Evaluation erbringt.
- Anerkennung vorab klären: Wenn ein Hochschulwechsel wahrscheinlich ist, fragen Sie, ob das Programm den dghd-Qualitätsstandards folgt oder akkreditiert ist.
- Vertiefung planen: Lehrprojekt, Portfolio oder SoTL-Vorhaben brauchen ein Semester Vorlauf – legen Sie sie in ein Semester mit stabiler Lehrbelastung.
Stand: Juli 2026. Programmzuschnitte, Umfänge und Anerkennungsregeln ändern sich – mehrere Landesprogramme haben ihre Modulstruktur zuletzt überarbeitet. Prüfen Sie die aktuellen Vorgaben bei dem für Sie zuständigen hochschuldidaktischen Zentrum, dem Landesnetzwerk Ihres Bundeslandes und bei der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd).
Häufige Fragen
Was ist Hochschuldidaktik?
Hochschuldidaktik befasst sich mit dem Lehren und Lernen an Hochschulen – als Forschungsdisziplin und als Praxisfeld. Sie unterstützt Lehrende bei Planung, Aktivierung, Beratung, Prüfung und Evaluation und arbeitet zugleich an Studiengängen und Lehrstrategien. Angeboten wird sie von hochschuleigenen Zentren, landesweiten Netzwerken und Verbünden, meist in Form von Workshops, Beratung, Hospitationen und Zertifikatsprogrammen.
Ist hochschuldidaktische Weiterbildung für Lehrende verpflichtend?
In der Regel nicht. Anders als im Schuldienst besteht für Hochschullehrende meist keine allgemeine Fortbildungspflicht. Einzelne Hochschulen oder Berufungsvereinbarungen können jedoch eine Basisqualifizierung erwarten, insbesondere für Neuberufene oder Juniorprofessuren. Maßgeblich sind das Landeshochschulgesetz, hochschulinterne Regelungen und die individuelle Berufungsvereinbarung – fragen Sie im Zweifel bei der Personalentwicklung Ihrer Hochschule nach.
Wie viel Zeit kostet ein hochschuldidaktisches Zertifikat?
Der Umfang wird in Arbeitseinheiten zu je 45 Minuten gerechnet. Ein vollständiges Zertifikat liegt üblicherweise bei rund 200 Arbeitseinheiten, einzelne Landesprogramme verlangen mehr – Hochschuldidaktik Sachsen etwa 240 und nennt als üblichen Zeitrahmen rund vier Semester. Berufsbegleitend sind also mehrere Jahre einzuplanen. Ein Basismodul von meist 60 Arbeitseinheiten ist deutlich schneller erreichbar und ein sinnvoller Einstieg ohne weitere Festlegung.
Was bedeutet Constructive Alignment?
Constructive Alignment bezeichnet die konsistente Abstimmung von drei Elementen: den angestrebten Lernergebnissen, den Lehr-Lern-Aktivitäten und der Prüfung. Wenn ein Lernergebnis Analysefähigkeit verlangt, müssen Studierende diese in der Veranstaltung üben und in der Prüfung zeigen können. Da Studierende ihren Aufwand am Prüfungsformat ausrichten, ist die Prüfung der wirksamste Hebel für Veränderungen.
Bringt ein hochschuldidaktisches Zertifikat etwas für die Berufung?
Es ersetzt keine Forschungsleistung, kann aber bei fachlich vergleichbaren Bewerbungen den Ausschlag geben. Landeshochschulgesetze verlangen für Professuren regelmäßig eine pädagogische Eignung; ein Zertifikat, ein Lehrportfolio und dokumentierte Lehrentwicklung sind dafür belastbare Nachweise. An Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften hat Lehrqualifikation traditionell ein höheres Gewicht.
Was ist Scholarship of Teaching and Learning?
SoTL behandelt Lehre als wissenschaftliches Tätigkeitsfeld: Lehrende untersuchen ihre eigene Lehre systematisch, erheben Daten, beziehen sich auf Forschungsliteratur und veröffentlichen ihre Ergebnisse. Typisch ist die Begleitung einer Veränderung über mehrere Semester statt eines Eindrucks nach einem Durchgang. Viele Vertiefungsmodule hochschuldidaktischer Zertifikate lassen ein SoTL-Vorhaben als Abschlussprojekt zu.
Quellen
Die Angaben in diesem Beitrag geben den Stand der unten genannten Quellen wieder. Maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fassung bei der herausgebenden Stelle.
- Standards für die Praxis – Qualitätsstandards für die Anerkennung von Leistungen in der hochschuldidaktischen WeiterbildungBelegt: Qualitätsstandards 2011 beschlossen und 2021 aktualisiert; sie sichern die bundesweite Anerkennung hochschuldidaktischer Leistungen bei einem Hochschulwechsel.
- Akkreditierte Programme und EinrichtungenBelegt: Die dghd unterhält eine Akkreditierungskommission, die hochschuldidaktische Programme und Einrichtungen befristet akkreditiert.
- § 44 Hochschulrahmengesetz – Einstellungsvoraussetzungen für ProfessorenBelegt: Die pädagogische Eignung ist gesetzliche Einstellungsvoraussetzung für Professuren; die Art des Nachweises wird nicht festgelegt.
- Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg (HDZ) – Arbeitsstelle HochschuldidaktikBelegt: Gründung des HDZ 2001 durch Wissenschaftsministerium und Landesuniversitäten, Mitgliedschaft der Pädagogischen Hochschulen seit 1. Januar 2019; Zertifikat mit 200 Arbeitseinheiten zu je 45 Minuten.
- Zertifikat Hochschullehre der Bayerischen UniversitätenBelegt: Dreistufiger Aufbau (Grundstufe 60, Aufbaustufe 120, Vertiefungsstufe 200 Arbeitseinheiten) und fünf Kompetenzbereiche als Beispiel eines Landesnetzwerks.
- Zertifikate des Netzwerks hdw nrwBelegt: Nordrhein-Westfalen bündelt hochschuldidaktische Weiterbildung in einem mehrstufigen Zertifikatssystem mit Basiskurs, Workshops und Lehrportfolio.
- Zertifikate der Hochschuldidaktik SachsenBelegt: Gemeinsames sächsisches Zertifikat mit 240 Arbeitseinheiten in drei Modulen, üblicher Zeitrahmen rund vier Semester, für Angehörige der Mitgliedshochschulen in der Regel kostenfrei.
- Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen (KHN)Belegt: Einrichtung des KHN im Juli 2000 mit Unterstützung des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums als landesweit arbeitendes Zentrum mit Forschung, Weiterbildung und Beratung.