Schulinterne Lehrkräftefortbildung – kurz SchiLf – ist das einzige Fortbildungsformat, das ein ganzes Kollegium gleichzeitig erreicht. Genau darin liegt ihr Wert und ihr Risiko: Sie kann eine Schulentwicklungsentscheidung tatsächlich in die Fläche bringen, oder sie verbrennt einen ganzen Arbeitstag von fünfzig Personen an einem Thema, das niemand ausgewählt hat.
Der Unterschied zwischen beiden Ausgängen entsteht nicht am Fortbildungstag, sondern in der Planung davor und in der Nachbereitung danach. Entscheidend sind vier Dinge: ein Bedarf, der aus dem Kollegium und aus Daten stammt und nicht aus dem Kalender; eine Anbindung an das Schulprogramm; ein Format, das Erprobung ermöglicht; und eine Verabredung darüber, was nach der Veranstaltung konkret anders gemacht wird.
Dieser Leitfaden beschreibt den Planungszyklus von der Bedarfsermittlung über Ablauf und Referentenauswahl bis zur Evaluation. Den größeren Rahmen – Fortbildungspflicht, Anbieter, Anerkennung – finden Sie im Überblick zur Lehrerfortbildung in Deutschland. Stand: Juli 2026 – die Zuständigkeiten und Verfahren für Fortbildungsplanung sind landesrechtlich geregelt; prüfen Sie die Vorgaben Ihres Landes bei der Schulaufsicht oder dem zuständigen Landesinstitut.
Fortbildungsplanung ist eine geregelte Aufgabe, keine Kür
In mehreren Ländern ist die schulische Fortbildungsplanung ausdrücklich vorgeschrieben. Nordrhein-Westfalen verpflichtet die Schulleitung im Schulgesetz, je Schuljahr eine verbindliche Fortbildungsplanung für die Schule aufzustellen – auf Grundlage von Grundsätzen, die die Lehrerkonferenz beschließt –, und benennt als Gegenstand ausdrücklich Fortbildungen für das gesamte Kollegium oder für Teilgruppen. Mecklenburg-Vorpommern schreibt vor, dass die Schule im Rahmen ihres Schulprogramms und Schulbudgets notwendige Qualifizierungsmaßnahmen in einem Fortbildungsrahmenplan festlegt, der das vorhandene Kompetenzprofil und die Anforderungen der innerschulischen Entwicklung berücksichtigt.
Ähnliche Konstruktionen finden sich in Schleswig-Holstein, wo die Schulleitung die Fortbildungsplanung unter Berücksichtigung der Entwicklungsschwerpunkte der Schule und der individuellen Bedarfe verantwortet, sowie in Sachsen-Anhalt, wo die Schulen Art und Umfang des Fortbildungsbedarfs unter Berücksichtigung der Evaluationsergebnisse und des Schulprogramms ermitteln. Bayern geht noch einen Schritt weiter und rechnet die schulinterne Fortbildung ausdrücklich auf die individuelle Fortbildungspflicht an – ein Drittel der geforderten Fortbildungstage soll auf diesem Weg erbracht werden. Welche Regelung in Ihrem Land gilt, zeigt der Ländervergleich zur Fortbildungspflicht.
Daraus folgt eine nützliche Konsequenz: Eine SchiLf ist kein isoliertes Ereignis, sondern der sichtbare Teil eines Planungszyklus, der ohnehin zu leisten ist. Wer den Zyklus ernst nimmt, spart sich die jährliche Suche nach einem Thema.
Bedarf ermitteln
Mehrere Quellen zusammenführen
Der häufigste Planungsfehler ist die Themenwahl per Zuruf. Belastbarer wird die Entscheidung, wenn Sie mehrere Quellen zusammenführen:
- Schulprogramm und Entwicklungsziele: Welche Vorhaben stehen ohnehin an? Fortbildung, die kein Entwicklungsziel bedient, verpufft.
- Daten der Schule: Ergebnisse aus Vergleichsarbeiten und internen Erhebungen, Abschlussquoten, Fehlzeiten, Rückmeldungen aus der Schulinspektion oder externen Evaluation.
- Systematische Abfrage im Kollegium: kurze, strukturierte Erhebung statt offener Wunschliste – etwa mit vorgegebenen Themenfeldern, Prioritätsvergabe und einem Freitextfeld.
- Fachschaften und Jahrgangsteams: Bedarfe, die dort formuliert werden, sind meist konkreter als kollegiumsweite Allgemeinplätze.
- Mitarbeitergespräche: In Ländern mit Portfoliopflicht sind sie ohnehin vorgesehen und liefern ein Bild individueller Bedarfe.
- Neue Anforderungen von außen: Lehrplanänderungen, neue rechtliche Vorgaben, veränderte Schülerschaft.
Priorisieren statt sammeln
Aus dieser Sammlung entsteht selten ein einziges Thema, sondern eine Rangfolge. Entscheiden Sie bewusst: Ein Thema pro Schuljahr, dafür mit Tiefgang, wirkt nachweislich besser als drei Themen im Halbtagsformat. Bei Querschnittsthemen wie dem Umgang mit generativer KI empfiehlt sich eine Kombination aus kollegiumsweiter Grundlage und fachschaftsbezogener Vertiefung; die inhaltlichen Anforderungen dazu beschreibt unser Beitrag zu KI-Fortbildungen für Lehrkräfte.
Ablauf: eine realistische Zeitschiene
Für eine SchiLf mit externer Begleitung sollten Sie etwa ein halbes Jahr Vorlauf einplanen. Bewährt hat sich folgende Abfolge:
- Rund sechs Monate vorher: Bedarfserhebung auswerten, Thema und Ziel in der Lehrerkonferenz beschließen, Termin festlegen und schulorganisatorisch absichern.
- Fünf bis vier Monate vorher: Referentin oder Referenten auswählen, Zielvereinbarung und Honorarfrage klären, Finanzierung über das Fortbildungsbudget oder das Landesinstitut sichern.
- Drei Monate vorher: Ablauf gemeinsam mit der Referentin oder dem Referenten festlegen, Arbeitsformen und Gruppengrößen abstimmen, benötigte Räume und Technik reservieren.
- Vier Wochen vorher: Kollegium über Ziel, Ablauf und erwartete Vorbereitung informieren; Material aus dem eigenen Unterricht einsammeln, mit dem gearbeitet werden soll.
- Am Fortbildungstag: Ergebnisse schriftlich sichern und mindestens eine konkrete Verabredung treffen, die im nächsten Halbjahr umgesetzt wird.
- Sechs bis zwölf Wochen danach: Umsetzungsstand in Fachschaften oder Teams auswerten, Hürden besprechen, gegebenenfalls einen Folgetermin ansetzen.
Der letzte Punkt ist der am häufigsten ausgelassene – und der wichtigste. Ohne Nachbereitung bleibt die SchiLf ein Ereignis statt eines Entwicklungsschritts.
Moderation und externe Referentinnen und Referenten
Für die Durchführung gibt es drei Wege: interne Moderation durch Kolleginnen und Kollegen, Begleitung durch Fortbildnerinnen und Fortbildner des Landesinstituts oder ein externes Angebot. Alle drei haben ihre Berechtigung. Interne Moderation ist kostengünstig und kennt die Schule, gerät aber bei konfliktträchtigen Themen schnell in eine schwierige Rolle. Landesinstitute stellen qualifiziertes Personal und kennen die landesrechtlichen Rahmenbedingungen. Externe Anbieter bringen Spezialwissen mit, kosten Geld und benötigen ein sorgfältiges Briefing.
Was in ein gutes Briefing gehört
- Ausgangslage und Ziel der Veranstaltung in zwei bis drei Sätzen, formuliert als beobachtbares Ergebnis
- Zusammensetzung und Vorkenntnisse des Kollegiums, einschließlich absehbarer Widerstände
- Schulform, Fächerspektrum, Größe der Gruppe und verfügbare Zeit
- der Wunsch nach aktiven Arbeitsphasen mit eigenem Material statt reinem Vortrag
- Verabredung darüber, was am Ende schriftlich vorliegen soll
Klären Sie außerdem vorab, ob das externe Angebot in Ihrem Land als dienstliche Fortbildung anerkannt wird – das ist nicht überall selbstverständlich – und wer die Kosten trägt. In mehreren Ländern verfügen Schulen über ein eigenes Fortbildungsbudget, über dessen Verwendung sie selbst entscheiden.
Wirksamkeit sichern
Die Fortbildungsforschung hat recht klare Aussagen darüber, was Fortbildungen wirksam macht. Als methodisch-didaktische Kernmerkmale gelten die Stärkung kollegialer Kooperation, die Verknüpfung von Input-, Erprobungs- und Reflexionsphasen, Feedback und Coaching, eine angemessene Dauer sowie bedeutsame, praxisbezogene Inhalte und Aktivitäten. Nicht jede Fortbildung muss alle Merkmale erfüllen, um zu wirken – aber eine Veranstaltung, die keines davon aufweist, wird kaum etwas verändern.
Was daraus für die Planung folgt
Für die Planung einer SchiLf lassen sich daraus konkrete Entscheidungen ableiten:
- Planen Sie mindestens zwei Termine mit einer Erprobungsphase dazwischen statt eines isolierten pädagogischen Tages.
- Arbeiten Sie mit Material aus dem eigenen Unterricht, nicht mit Musterbeispielen.
- Sehen Sie verbindliche Arbeitsphasen in Fachschaften oder Jahrgangsteams vor – dort entsteht die Umsetzung.
- Legen Sie am Ende fest, wer bis wann was ausprobiert und wo darüber berichtet wird.
- Halten Sie die Dauer angemessen: so lange wie nötig, so kurz wie möglich.
Bei Themen, die unmittelbar in Bewertungspraxis eingreifen – etwa neue Aufgabenformate oder veränderte Leistungsnachweise – sollten die fachlichen Grundlagen vorab geklärt sein; hilfreich ist dafür unser Beitrag zum kompetenzorientierten Prüfen.
Evaluieren – aber auf der richtigen Ebene
Die übliche Feedbackkarte am Ende des Tages misst Zufriedenheit. Das ist die schwächste der Wirkungsebenen und sagt über den Nutzen wenig aus. In der Fortbildungsforschung wird zwischen mehreren Ebenen unterschieden: der Reaktion und Akzeptanz der Teilnehmenden, dem Zuwachs an Wissen und der Veränderung von Überzeugungen, der Veränderung des Unterrichtshandelns und schließlich den Effekten beim Lernen der Schülerinnen und Schüler.
Realistisch erhebbar sind für Schulen die ersten drei Ebenen:
- Direkt nach der Veranstaltung: kurze Rückmeldung zu Relevanz und Anwendbarkeit – nicht zur Verpflegung.
- Nach sechs bis acht Wochen: kurze Abfrage, was tatsächlich ausprobiert wurde und was dabei nicht funktioniert hat.
- Nach einem halben Jahr: Auswertung in der Fachkonferenz mit der Frage, ob die Verabredung Bestand hat und ob sie ins schulinterne Curriculum übernommen wird.
Diese Auswertung gehört in die Fortbildungsplanung des Folgejahres. Damit schließt sich der Zyklus, und die Bedarfsermittlung für die nächste Runde beginnt nicht bei null.
So gehen Sie vor
- Zuständigkeit klären: Wer entscheidet an Ihrer Schule – Schulleitung, Lehrerkonferenz, Steuergruppe, Fortbildungsbeauftragte? Klären Sie das vor der Themenwahl, nicht danach.
- Bedarf aus mehreren Quellen ableiten: Schulprogramm, Daten, strukturierte Kollegiumsabfrage, Fachschaften.
- Ein Thema priorisieren: Tiefe schlägt Breite. Ein Thema pro Schuljahr, dafür mit Erprobungsphase.
- Format und Begleitung wählen: intern, über das Landesinstitut oder extern – mit klarem Briefing und geklärter Anerkennung.
- Umsetzung verabreden: Am Fortbildungstag mindestens eine konkrete, überprüfbare Verabredung treffen.
- Nachbereiten und dokumentieren: Umsetzungsstand nach zwei Monaten auswerten, Ergebnisse in die Fortbildungsplanung des Folgejahres überführen und Teilnahmebescheinigungen für die individuellen Nachweise bereitstellen.
Der letzte Punkt hat einen praktischen Nebeneffekt: In Ländern mit Nachweis- oder Portfoliopflicht zählt die schulinterne Fortbildung für die individuelle Fortbildungspflicht mit – vorausgesetzt, es gibt eine Bescheinigung mit Thema und Zeitumfang. Denken Sie diese Formalie bei der Planung mit; nachträglich ist sie mühsam zu erstellen.
Häufige Fragen
Wer entscheidet über die schulinterne Fortbildung?
Das ist landesrechtlich geregelt und unterscheidet sich. In Nordrhein-Westfalen stellt die Schulleitung je Schuljahr eine verbindliche Fortbildungsplanung auf, und zwar auf Grundlage von Grundsätzen, die die Lehrerkonferenz beschließt. In Schleswig-Holstein verantwortet die Schulleitung die Planung unter Berücksichtigung der Entwicklungsschwerpunkte der Schule. Klären Sie die Zuständigkeit an Ihrer Schule vor der Themenwahl.
Zählt eine SchiLf für meine individuelle Fortbildungspflicht?
In der Regel ja, sofern eine Teilnahmebescheinigung mit Thema und Zeitumfang vorliegt. Bayern rechnet die schulinterne Fortbildung ausdrücklich an und sieht vor, dass ein Teil der geforderten Fortbildungstage auf diesem Weg erbracht wird. In Ländern mit Portfoliopflicht sollten Sie die Bescheinigung ablegen. Planen Sie die Ausstellung von Bescheinigungen von vornherein mit ein.
Wie lange sollte der Vorlauf für eine SchiLf sein?
Für eine Veranstaltung mit externer Begleitung sind etwa sechs Monate realistisch. In dieser Zeit werden Bedarf ausgewertet, Thema und Termin beschlossen, Referentinnen oder Referenten gewonnen, Finanzierung und Anerkennung geklärt sowie Ablauf und Arbeitsformen abgestimmt. Rein interne Formate lassen sich kurzfristiger organisieren, brauchen aber dieselbe inhaltliche Vorbereitung, um zu wirken.
Was macht eine schulinterne Fortbildung wirksam?
Als Kernmerkmale gelten die Verknüpfung von Input-, Erprobungs- und Reflexionsphasen, Feedback und Coaching, die Stärkung kollegialer Kooperation, eine angemessene Dauer und praxisbezogene, bedeutsame Inhalte. Für die Planung heißt das vor allem: mindestens zwei Termine mit einer Erprobungsphase dazwischen, Arbeit mit eigenem Unterrichtsmaterial und eine verbindliche Verabredung darüber, was anschließend umgesetzt wird.
Wie evaluiert man eine SchiLf sinnvoll?
Nicht allein über die Zufriedenheitsabfrage am Veranstaltungsende. Erheben Sie direkt danach Relevanz und Anwendbarkeit, nach sechs bis acht Wochen, was tatsächlich ausprobiert wurde und woran es gehakt hat, und nach einem halben Jahr in der Fachkonferenz, ob die Verabredungen Bestand haben. Die Ergebnisse gehören anschließend in die Fortbildungsplanung des folgenden Schuljahres.
Werden externe Referentinnen und Referenten als dienstliche Fortbildung anerkannt?
Nicht automatisch. Mehrere Länder verlangen für nichtstaatliche Anbieter eine förmliche Anerkennung des Angebots oder des Trägers. Klären Sie das vor der Beauftragung mit der Schulaufsicht oder dem Landesinstitut, ebenso die Kostenfrage. Einige Länder statten Schulen mit einem eigenen Fortbildungsbudget aus, über dessen Verwendung die Schule selbst entscheiden kann.
Quellen
Die Angaben in diesem Beitrag geben den Stand der unten genannten Quellen wieder. Maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fassung bei der herausgebenden Stelle.
- Lehrkräftefortbildung in den Ländern – Sachstandserhebung (Stand: 22.02.2026)Belegt: Rechtliche Verankerung der schulischen Fortbildungsplanung: verbindliche Planung je Schuljahr in Nordrhein-Westfalen (§ 59 SchulG), Fortbildungsrahmenplan im Schulprogramm in Mecklenburg-Vorpommern (§ 20 LehrkrbildG), Verantwortung der Schulleitung in Schleswig-Holstein sowie Bedarfsermittlung anhand von Evaluation und Schulprogramm in Sachsen-Anhalt
- Rechtliche Hinweise für den Bereich der LehrerfortbildungBelegt: Anrechnung der schulinternen Lehrerfortbildung auf die individuelle Fortbildungspflicht; ein Drittel der geforderten Fortbildungstage soll schulintern erbracht werden
- Lipowsky, F. (Universität Kassel): Fortbildungen für Lehrkräfte wirksam gestalten – Was sagt die Wissenschaft? (Vortrag vom 23.11.2017)Belegt: Merkmale wirksamer Fortbildung (kollegiale Kooperation, Verknüpfung von Input-, Erprobungs- und Reflexionsphasen, Feedback und Coaching, angemessene Dauer, bedeutsame Inhalte) sowie das Ebenenmodell des Fortbildungserfolgs von Akzeptanz über Wissen und Unterrichtshandeln bis zur Entwicklung der Schülerinnen und Schüler
- Verwaltungsvorschriften über die Fortbildung der Lehrkräfte an Schulen in öffentlicher Trägerschaft (VV-LKFB)Belegt: Teilnahmebescheinigung als Nachweis der Fortbildungspflicht – Begründung dafür, Bescheinigungen für schulinterne Veranstaltungen von vornherein einzuplanen
- Kuschel, J., Richter, D. & Lazarides, R. (2020): Wie relevant ist die gesetzliche Fortbildungsverpflichtung für Lehrkräfte? Zeitschrift für Bildungsforschung (DOI 10.1007/s35834-020-00274-3)Belegt: Systematik der Nachweis- und Portfoliopflichten, auf die schulinterne Veranstaltungen angerechnet werden